Heilpraktikerin Carmen Jagiella | Naturheilkunde Dresden | Gefährliche Pillencocktails – Wechselwirkungen bei Medikamenten
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Gefährliche Pillencocktails – Wechselwirkungen bei Medikamenten

Gefährliche Pillencocktails – Wechselwirkungen bei Medikamenten

von Jörg Hilbert und Corinna Thimme

Mindestens 50.000 Menschen sterben nach Angaben des klinischen Pharmakologen Jürgen Frölich jedes Jahr an Neben- und Wechselwirkungen von Medikamenten. Vor allem ältere Patienten sind davon betroffen. Denn sie leiden besonders häufig an mehreren Krankheiten und sollen verschiedene Medikamente gleichzeitig einnehmen.

Fröhlich kritisiert, dass bislang viel zu wenig untersucht werde, welche Wechselwirkungen bei Patienten auftreten. Außerdem würden vorhandene Erkenntnisse über Neben- und Wechselwirkungen nicht so praxisgerecht ausgewertet, dass Ärzte damit arbeiten könnten. Frölich hat deshalb Ergebnisse einer norwegischen Studie auf deutsche Verhältnisse übertragen. Gegenüber Frontal21 stellt er fest: „Wir setzen in vielen Fällen Medikamente ein, über die wir mangelhaft informiert sind.“ Wechselwirkungen seien nicht bekannt, ebenso wenig notwendige Anpassungen der Dosierung.

Dabei sind angesichts einer alternden Bevölkerung immer mehr Menschen diesem Risiko einer Falschverordnung ausgesetzt. Mehr als ein Drittel der über 65-Jährigen nehmen neun oder mehr verschiedene Wirkstoffe ein. Das hat die Gmünder Ersatzkasse (GEK) in ihrem jährlichen Report festgestellt. Was Patienten und wohl auch Ärzte dabei oft nicht wahrhaben wollen: Die Pillencocktails können krank machen und sogar tödlich sein.

Glaeske: Nicht zu viele Medikamente

Der Bremer Pharmazieprofessor Gerd Glaeske, der auch für den GEK-Report verantwortlich ist, fordert deshalb von Ärzten, möglichst wenig Medikamente gleichzeitig zu verschreiben. „Wir haben eine Faustregel, die sagt, vier Wirkstoffe kann man halbwegs vertragen“, sagt Glaeske gegenüber Frontal21.“Wenn man aber die doppelte Anzahl von Wirkstoffen nimmt, verdoppelt sich das Risiko, sondern es verdreifacht und vervierfacht sich.“ Mit jedem Arzneimittel mehr potenziere sich also die Gefahr von Wechsel- und Nebenwirkungen.

Diese Gefahr wurde offenbar auch bei Rosita Götze unterschätzt. Die Rentnerin hatte eine künstliche Herzklappe, litt außerdem an Bluthochdruck und Altersdiabetes. Deswegen nahm sie täglich bis zu zehn verschiedene Medikamente ein. Nach einem Zusammenbruch mit Seh- und Sprachstörungen wird sie ins Krankenhaus gebracht. Dort stellen die Ärzte eine gefährliche Wechselwirkung zwischen zwei Medikamenten fest. Wieder entlassen, stirbt die 62-Jährige einige Wochen später. Ihr Mann Heinz-Jürgen ist davon überzeugt, dass letztlich das von der Hausärztin verordnete Tabletten-Gemisch zum Tod führte.

Wenig Infos zu Wechselwirkungen

Die Ärzte haben es nicht leicht, wenn sie Patienten mit mehreren Krankheiten behandeln: Sie müssen aus mehr als 55.000 zugelassenen Medikamenten die ZDF.de – Artikelseite http://frontal21.zdf.de/ZDFde/druckansicht/12/0,6911,7242316,00.html 2 von 2 21.05.2008 08:55 richtige Kombination auswählen. Sogenannte Behandlungsleitlinien sollen dabei helfen. Mögliche Wechselwirkungen bei der Behandlung mehrerer Krankheiten stehen dabei jedoch nicht im Mittelpunkt: Jede Krankheit hat ihre eigene Leitlinieund die dazugehörigen Medikamente.

Hausärzte wie Dr. Justus Graubner müssen deshalb selbst entscheiden, wie sie mehrere Krankheiten gleichzeitig behandeln. „Wenn ich für jede einzelne Erkrankung die medizinische Leitlinie befolgen würde, würde ich dem Patienten mit Sicherheit erheblich schaden“, sagt Graubner. „Ich würde ihm viel zu viele Medikamente verordnen, die in ihrer Wechselwirkung nicht vorhersehbar wären.“ Er müsse sogar mit dem Tod von Patienten rechnen. Ihm würde es deshalbhelfen, wenn die Wechselwirkungen besser erforscht wären, sagt Graubner. Zum Wohl der Pharmaindustrie“

Versuche, die hohe Zahl von Medikamenten auf dem Markt zu reduzieren, sindbisher gescheitert. Daran sei auch die Pharmalobby schuld, kritisiert Glaeske, Mitglied im Sachverständigenrat Gesundheitswesen ist. „Es ist vor allen Dingen zum Wohl der Pharmaindustrie, die natürlich mit all diesen Arzneimitteln versucht, Umsatz und Absatz zu machen“, sagt Glaeske. Die Medikamentenvielfalt sei sicherlich nicht zum Wohl der Ärztinnen und Ärzte, für die Transparenz und Überblick verloren gingen. „Und es ist letzten Endes überhaupt nicht zum Wohl der Patienten, die möglicherweise unter mehr Wechselwirkungen leiden, als dies bei einem kleinen, übersichtlichen Markt deFall wäre.“

Mit Material von ZDF